Donnerstag, 30. April 2015

Ein Schwergewicht und Kraftpaket


Der alte Controller
Für die Technikfans unter Euch will ich heute mal ein wenig über die Daten des eT2 erzählen. Verglichen mit seiner ursprünglichen Leistung haben wir unseren elektrischen T2-VW-Bus zu einem ziemlichen Kraftpaket hochgerüstet – und den Oldie von 1979 damit zu einem Fahrzeug der Gegenwart gemacht.
Am 4. Juli 1979 wurde der Bus (Modell 221 011) in Hannover produziert und fünf Tage später in den VW-Fahrzeugpark ausgeliefert. Zur Leistung des Siemens-Elektromotors gibt es zwei Daten: In einem Papier heißt es 34, in einem anderen 32 kW. Verbrieft ist die Höchstgeschwindigkeit von damals Tempo 75. Normal wiegt ein T2-Bus gut 1,3 Tonnen. Hinzu kamen damals aber 900 Kilo Batterien. Somit brachte der Bulli (Originalfarbe L 57 H ozeanicblau) ein Leer- und Schwergewicht von 2205 Kilo auf die Straße. Als Extras vermerkt die Fahrzeug-Geschichte eine Eberspächer Stand- und Zusatzheizung, zwei Rückfahrleuchten (kann sich heute keiner mehr vorstellen, dass sowas mal Sonderausstattung war) und Unterbodenschutz mit Teroson. Fahrer und Passagiere saßen auf einer “Polsterkombination Kunstleder canyonbraun”.
 
Mit dem Modell von damals hat unser eT2 technisch heute nicht mehr viel zu tun. Der neue Asynchron-Elektromotor liefert 44 kW (60 PS). Mit 108 Volt und 600 Ampere-Stunden Leistung der Batterien sowie einem Drehmoment von 260 Nm von 1-3540 min-1 beschleunigt unser eT2 jetzt bis Tempo 130 – fast das doppelte der damaligen Höchstgeschwindigkeit. Die TÜV-Abnahme erfolgt in kürze deshalb konnten wir die volle Kapazität des Energiespeicher noch nicht testen – aber wir schätzen, dass eine Vollladung (acht Stunden) für 300 Kilometer reicht.
Den Strom speichern 102 Lithium-Eisen-Mangan-Phosphat-Batterien (LiFeMnPo4) mit je 3,2 Volt Gleichstrom. Ein DC/DC-Wandler regelt die 108 auf 12 Volt Gleichstrom herunter, um an Bord Fahrlicht, Lüftung, Heizung oder Radio zu versorgen.

Der neue Controller
Das Herzstück des Antriebs ist der wassergekühlte Controller, er verwaltet sozusagen unseren Energiehaushalt und sorgt nicht nur dafür das wir fahren können, er gewinnt auch beim Bremsen Energie zurück und lädt beim Bremsen die Akkus wieder auf. Durch zwei Anzeigeinstrumente können wir Energieverbrauch, Drehmoment, Motor-, Controllertemperatur und noch weitere wichtige Werte ablesen.
Die Batterien wiegen heute zwar nur noch 670 Kilo statt früher 900 Kilo. Das Gesamtgewicht konnten wir aber  nur um 185 auf jetzt 2020 Kilo senken. Denn wir haben noch einige andere neue Komponenten eingebaut: Das Fahrwerk wurde durch luftunterstützte Stoßdämpfer ausgetauscht und die Bremsanlage wurde durch einen großen Unterdruck Bremskraftverstärker erweitert um unser Schwergewicht auch in Notsituationen anhalten zu können. Um etwas Luxus zu haben wurde ein Soundsystem und ein Navigationssystem eingebaut. Ach ja, moderne und bequeme Sitze hat unser Bus auch bekommen. Schließlich wollen wir bei der Wave 2015 gemeinsam eine ziemlich lange Strecke meistern. Wenn ich mir unseren eT2 so angucke, bin ich sicher: Wir schaffen das.

Donnerstag, 23. April 2015

Wie unser eT2 das Leben von jungen Leuten umkrempelt...

Als ich unseren eT2 vorgestellt habe, hatte ich versprochen, mehr über die Dorstener Arbeit und unser Oldie-Projekt zu erzählen. Also. Die Dorstener Arbeit ist eine Qualifizierungsgesellschaft. Das Wort ist sehr lang. Kurz geht’s so: Wir kümmern uns um Leute, die – warum auch immer – keinen Job finden. Und wir finden das ungerecht. Denn unsere Jungs und Mädel sind prima. Die sind sicher mal im Leben gestolpert. Aber die wollen richtig was schaffen. Und wir finden mit unseren Projekten immer wieder Chefs, die das genauso sehen und ihnen eine Chance geben. Das ist auch prima. Übrigens: Träger unserer Firma sind die Stadt Dorsten und die Katholische Arbeitnehmer-Bewegung, kurz KAB.
Die Bereiche in denen wir dabei aktiv sind, stellt dieser kurze Film vor.

Ich bin Autofan und hab’ vor ein paar Jahren als Werkstattmeister bei der Dorstener Arbeit angefangen. Und dachte, mit Autos und vor allem mit Oldtimern, da kriegen wir was Vorzeigbares hin. Damit können wir unsere Leute begeistern und die Firmen, die richtige Jobs anbieten können. Was soll ich sagen? Das funktioniert.
Angefangen hat alles mit einem hellblauen VW Käfer von 1968. Den haben wir komplett zerlegt und restauriert. Danach hatten wir einen Ponton-Mercedes von 1959, wir haben einen Karmann-Ghia zum Elektromobil umgebaut. Dafür gab’s Preise und Auszeichnungen und viele Jobs für unsere Leute. Und jetzt ist eben der eT2 an der Reihe, der E-Bulli, mit dem wir an der Wave 2015 teilnehmen.
Das Jobcenter Kreis Recklinghausen finanziert das Projekt für 14 junge Leute, die mit mir an unserem Oldie arbeiten. Stromversorger RWE, das Solarunternehmen B&W Energy aus Borken und die KAB sponsern das Projekt. Von den 14 sind sechs durch Praktika schon in richtige Arbeit vermittelt. Das ist eine Wahnsinnsquote. Danke, Bulli! In den nächsten Monaten kriegen wir bestimmt noch mehr Leute unter.
Warum das so gut funktioniert? Das kann am besten unser Chef Jürgen Erhardt erklären. “Weil Autos fassbare Produkte sind”, sagt er. Und: “Weil Autos unsere Leute begeistern und die Chefs von Betrieben.” Und weil am Ende alle sehen und staunen, dass Langzeitarbeitslose so eine Leistung bringen können. 
Einige Einschätzungen von wichtigen Menschen aus unserer Region ist hier zu sehen und zu hören:

Ich bin übrigens ziemlich stolz auf meine Mannschaft. Langzeitarbeitslose können nichts? Das ist totaler Quatsch. Die sind faul? Das ist noch größerer Quatsch. Bei uns ist um vier Feierabend. Die meisten muss ich um fünf aus der Werkstatt scheuchen. Sonst hören die gar nicht mehr auf zu arbeiten. Dafür stehen sie morgens eine halbe Stunde früher auf der Matte. Jungs und Mädels: Ihr seid super. Die Wave 2015 fahre ich für Euch!!!

Donnerstag, 16. April 2015

Wir sind fast startbereit

Guten Tag, mein Name ist Stephan Thiemann und ich bin sowas wie der Ziehvater dieser rollenden Kuriosität in Schalker Farben. Unsere gemeinsame Heimat Dorsten ist nämlich gar nicht so weit weg von der Veltins-Arena in Gelsenkirchen. Aber ich bin gar nicht so wichtig. Der Star in diesem Blog ist unser eT2. Und den möchte ich Euch zuerst vorstellen.
Der Oldie war schon vor 36 Jahren ein Versuchsfahrzeug und ist nun wieder ein Experiment und die Wave 2015 ist die erste große, gemeinsame Herausforderung für uns beide.

1979 haben VW und Siemens an diesem Bulli ausprobiert, ob das klappt: Mit Strom fahren. Die Techniker haben 900 Kilo Batterien in die Karosserie gepackt. Damit schaffte der eT2 mit seinem 32 kW-Motor immerhin Tempo 75 in der Spitze. Bis ich diesen Wagen kennen gelernt habe, wusste ich gar nicht, dass sich so früh schon Leute Gedanken gemacht haben über sauberes Autofahren.
Von diesem Elektro-Bulli wurde eine kleine Testserie gebaut. Die meisten Exemplare sind auf Nimmerwiedersehen futsch. Dieser hat überlebt. Wie, das wissen wir nur lückenhaft. Zunächst ist VW damit selbst herumgefahren. 1981 wurde der Bulli erstmals für den Straßenverkehr zugelassen. Damals für die “Bücherstube” in Berlin. Den Laden gibt’s noch. Die Betreiber waren damals wohl sowas wie Testfahrer. Danach war der eET2 auf Wasserkraftunternehmen zugelassen und wurde 2004 stillgelegt. Und wir haben ihn 2014 im Internet gefunden und in Erfurt gekauft. Wie er dahin gekommen ist und wo er in den zehn Jahren dazwischen gesteckt hat – keine Ahnung.

Jedenfalls stand er dann bei uns, bei der Dorstener Arbeit. Wir arbeiten in vielen Projekten mit jungen Leuten, die keinen Job haben. Eins dieser Projekte: Wir möbeln Oldtimer auf. Damit haben wir schon vielen zu richtiger Arbeit verholfen. Aber davon erzähl’ ich später mehr. Also. Der eT2 stand bei uns. Ein Bulli, 900 Kilo Batterien an Bord, Leergewicht 2,2 Tonnen (das ist sonst das zulässige Gesamtgewicht für diese Baureihe), keine Kupplung, es gab nur den zweiten Gang.
Und jetzt, nach ein paar Monaten, ist er fast fertig. Mit einem 44-kW-Motor, 500 Kilo Batterien, vier Gängen und einer Reichweite von 300 Kilometern. Wir warten gerade auf die Neuzulassung für die Straße. Der eT2 ist jetzt wieder ein Einzelstück. Wie wir im Ruhrgebiet sagen: Der issen echter Typ. Ein Mordskerl auf vier Rädern. Und richtig unter Strom. Wir freuen uns auf die Wave 2015.