Mittwoch, 24. Juni 2015

Der Alltag hat uns wieder.

Am Sonntagabend sind wir wohlbehalten, erschöpft aber glücklich wieder in Dorsten angekommen. In 10 Tagen haben wir mit dem eT2  fast 4.000 Kilometer Strecke ohne jede Panne zurückgelegt. 


Die WAVE war für alle Beteiligten, auch für die Zuhausegebliebenen, ein ganz besonderes Erlebnis. Die Vielzahl der positiven Erfahrungen und Rückmeldungen bestärkt uns in unserem Tun und ist ein Ansporn für viele weitere Projekte. Am Dienstag haben wir das Ergebnis der WAVE und unser Projekt nochmals in einem Pressegespräch erörtertet.

Mit freundlicher Genehmigung der Dorstener Zeitung

Wir danken Louis Palmer und seinen Mitstreitern, die mit großem Engagement diese gigantische Veranstaltung geplant, organisiert und durchgeführt haben. Für uns war von Anfang an klar, dies ist eine Expedition, ein Abenteuer und kein Urlaub. Wir hoffen, dass es eine WAVE 2016 gibt und wir Teil dieser WAVE sein können.


Montag, 22. Juni 2015

Letzter Tag, Ankunft in St. Gallen

Der letzte Tag der Wave Trophy 2015 liegt hinter uns, das große Abenteuer für uns und unseren eT2. Ein Tag noch einmal mit viel Strecke, aber ohne weitere Prüfungen. Unterwegs eine Pause mit viel Publikum. Unser Bulli wird dabei wie immer von Neugierigen umlagert.
Am Nachmittag treffen wir in St. Gallen ein. Dem Ziel der Wave. Auf dem Gallus-Platz, der ansonsten für Fahrzeuge gesperrt ist, aber heute für die Teilnehmer der Wave freigegeben wurde. Beim Empfang wurde noch nicht das Gesamtergebnis verraten, sondern nur die Sieger der Schülerbefragung genannt. Leider: Da waren wir nicht dabei.



Abends dann der feierliche Abschluss der Wave Trophy 2015 mit einem leckeren Abendessen, vielen Gesprächen – und natürlich der Bekanntgabe der Platzierungen.
In unserer Kategorie, bei den “Pionieren”, den Versuchsfahrzeugen und Kleinserien, belegen wir den
insgesamt dritten Platz unter 24 Startern. Wahnsinn.
Dafür, dass unser eT2 erst drei Wochen vor dem Start der Wave für den Straßenverkehr zugelassen wurde und wir kaum noch Zeit für Testfahrten hatten, ist das ein Wahnsinnsergebnis.
Bei den Wertungen in den einzelnen Kategorien haben wir zwei zweite Plätze erreicht: Einmal beim Komfort unserer Fahrzeuges (Platz 2 unter den Pionieren) und unser Blog (den Ihr gerade lest) hat den zweiten Platz sogar im gesamten Starterfeld mit 90 Teilnehmern belegt.

Am Abend fallen wir hundemüde ins Bett und freuen uns auf die Heimreise am Sonntag.
Acht aufregende Tage liegen hinter uns.
Wir sind stolz auf die Leistung aller, die daran beteiligt waren.
Wir sind allen dankbar, die uns unterstützt und Glück gewünscht haben.
Ihnen allen gehört dieses Ergebnis.

Und wir freuen uns, dass unser tapferer eT2 demnächst als “Jobmobil” in Dorsten und Umgebung auf der Straße zu sehen sein wird. Dass er nach diesem Härtetest Werbung macht für die, die ihn letztlich gebaut haben: Für junge Leute, die etwas leisten wollen und die einen Job suchen, in dem sie das beweisen können. Jedes Praktikum und jede Lehrstelle, die unser Bulli dann einsammelt, wird zur Lebens-Trophy für einen jungen Menschen.

Samstag, 20. Juni 2015

Tag 7


Wenn die Langstrecke von Berlin nach Bern (1000 Kilometer in 40 Stunden) die Königsetappe war, dann war die heutige Berg- zugleich die Kaiseretappe: Quer durch die Alpen immer höher aufs Stilfser Joch (2757 Meter hoch) bei leichtem Schneefall und mit atemberaubendem Ausblick vom Gipfel.
Begonnen hat der Tag mit einer Kurzetappe nach St. Moritz – und einer letzten Bewertung an einer Schule. Dort haben sich alle e-Mobile aufgestellt, um gemeinsam die Bergtour in Angriff zu nehmen. Als wir an den Schülern vorbeigefahren sind, wären alle am liebsten noch einmal in den Bulli reingekrochen. Bei den Schweizer Jugendlichen ein Hit im Radio sehr beliebt, das Lied vom “Hippiebus”.
Akku aufladen in Prad (It)
Die folgende Tour über die Pässe, immer höher, mit vielen Kurven und Kehren, absolviert der eT2 ohne Murren. Aber die Fahrt ist sehr, sehr anstrengend. Wir wissen jetzt, woher das Wort “Kraftfahrer” kommt. Nicht alle konnten den Stilfser Joch Pass fahren, der Trabbi z.B. durfte mit seinem Wohnwagen nicht über den Pass, schade - eigentlich er hätte es bestimmt geschafft. Hundert Meter vor dem Joch sammelt sich das Teilnehmerfeld und fährt – wie bei der Tour de France - geschlossen im Korso auf den Gipfel, vorbei an Schaulustigen, die Teams angefeuert von Fans, die uns freudestrahlend zuwinken.
Der Ausblick von dort oben ist atemberaubend. Wort wörtlich auf 2757m ist die Luft dünn, unsere Wasserflaschen haben sich zusammengezogen und die Bremspumpe kämpft gegen die dünne Luft (wir im übrigen auch). Steile Berge, tiefe Täler, klare Seen, tolle Farben – der Blick in diese Heidi-Landschaft ist für uns ein sehr emotionaler Moment.
Bergauf haben wir viele Radfahrer überholt, die sich auf den Gipfel quälen. Bergab sind die Pedalritter aber schneller. Mit Tempo 30 bis 40 rollen wir vorsichtig dem Tagesziel entgegen, während die Speichenblitze an uns vorbeizischen. Was uns tröstet: Bergab laden wir unsere Akkus wieder auf. Den Strom für lau nehmen wir natürlich gerne mit.
Berg ab sah es so aus
Der Tag endet, wo er begonnen hat: In St. Moritz. Nach der Übernachtung dort geht’s am Samstag zum Finale in St. Gallen. Eine kurze Tagestour ohne weitere Prüfungen.
Vor der letzten Etappe hat unser eT2 nun – vorherige Testfahrten und Anreise zum Start mitgezählt – knapp 4000 Kilometer auf dem Tacho. Und wir spüren die Strapazen auch. Wir freuen uns auf den letzten Tag der Wave Trophy 2015. Wir freuen uns aber auch auf die Heimreise am Sonntag und darauf, endlich wieder im eigenen Bett zu schlafen.
Und wir freuen uns darauf, unsere vielen begeisterten Helfer bei der Dorstener Arbeit wiederzusehen.

Denn ohne den Enthusiasmus dieser jungen Leute wäre unser Abenteuer gar nicht möglich gewesen. Danke dafür. Und wir sind sicher: Das Ergebnis Eurer Arbeit hat auf unserem Weg Eindruck gemacht und Spuren hinterlassen.



Freitag, 19. Juni 2015

Tag 6


Das war eine angenehme Nacht auf Donnerstag in Bülach. Jeder Wave-Pilot bezog Quartier bei einem Einwohner. Michael Prinz hat in einem privaten Fremdenzimmer übernachtet und ich war Gast in einer Studentenwohnung, dort wurde das Schlafzimmer für mich geräumt.  Am Abend gab’s dort noch was zu essen, spannende (aber wegen Müdigkeit leider nur kurze) Gespräche und Michael und auch ich sind früh ins Bett. 
Meine Aufgabe dort am Morgen, ich sollte mich ins Gästebuch auf der Toilette eintragen.
Der Rallye-Tag setzte die  Schul-Tour fort. Die Begegnungen mit den Kindern und Jugendlichen sind auch unter den strengen Regeln einfach prima. Wir haben es an allen Standorten auf die Minute pünktlich geschafft, vor Ort zu sein.
Die Resonanz unserer Gastgeber war auf allen Pausenhöfen gleich: Der Bulli begeistert mindestens so wie die Geschichte dahinter. Und bei den Wertungskriterien konnten wir heute wohl richtig punkten. 
Beurteilen sollten die Schüler zum Beispiel den “Coolness-Faktor” unseres eT2. Und an einer Schule ging es darum, wie viele Fahrgäste wir mitnehmen können (vier). Da ist ein Kleinbus klar im Vorteil gegenüber einem Pkw. Unsere Fahrgäste jedenfalls fanden den Bulli total "geil" und "bequem". Die wollten gar nicht mehr aussteigen.
Mittagspause in Sennwald bei der Firma Brusa-Elektronik. Dort gab’s doppelte Ladung: Strom fürs Auto, Spätzle mit Käse und Zwiebeln, Kaffee und Kuchen für die Fahrer. Ein guter (!) Kaffee ist auf der Wave Trophy 2015 mindestens so wichtig wie genug Saft in den Batterien.
Am Nachmittag sind wir Gäste der Domat-Ems-Schule. Die Lehrer und die Jugendlichen sollen dort unser Design bewerten - und sind sichtbar begeistert. Der VW T2 ist eben ein Klassiker. Hier können wir anscheinend ‘ne Menge Punkte für die Gesamtwertung mitnehmen.

Dort konnten ein paar Schüler mit uns einige Runden drehen, noch interessanter fanden die Lehrer aber unseren Motor, wir mussten sie fast wieder aus dem Motorraum herausziehen.
Was alle immer wieder beeindruckt: Dass unser Bulli schon 1979 von VW und Siemens als Elektro-Fahrzeug konzipiert wurde. Das wirkt auf viele so, als hätten Archäologen in einer ägyptischen Pyramide ein 4000 Jahre altes Fahrrad entdeckt.
Die Berge in der Schweiz sind für alle Elektro-Fahrzeuge natürlich ein echter Härtetest. Am späten Nachmittag klettern wir von Domat-Ems (530 Meter) nach Savognin (1300 Meter). Da geht’s manchmal echt steil den Berg hoch. Aber unser eT2 kraxelt die Steigungen erstaunlich gut. Und das Bauchgefühl (unser “Popo-Meter”) sagt, auch mit dem Verbrauch liegen wir gut im Rennen.

Übrigens: Natürlich ist die Wave Trophy 2015 ein Wettbewerb und natürlich wollen alle gerne gewinnen. Aber Vorrang hat immer der Zusammenhalt unter den e-Auto-Enthusiasten. Wir unterhalten uns prima mit den anderen und wir halten zusammen. Heute hatte einer eine Reifenpanne. Aber keiner hatte einen Wagenheber dabei – um Gewicht zu sparen. Jetzt sind alle unterwegs und versuchen, für den havarierten Kameraden einen Wagenheber aufzutreiben.

Da wird die Wave zur Welle des Zusammenhalts.



Grüße von unserem Tour-Paten

Gerade haben wir einen Gruß unseres Tour-Paten Olaf Thon erhalten:

„Es macht großen Spaß, die Tour zu verfolgen. Und es ist unglaublich, was die jungen Leute bei der Dorstener Arbeit aus dem Oldtimer-Bulli gemacht haben und was die Piloten Michael Prinz und Stephan Thiemann aus dem eT2 herausholen. Wenn ich den Blog lese, fiebere ich richtig mit und freue mich über die vielen kleinen Abenteuer, die das Team Dorstener Arbeit jeden Tag erlebt. Ich drücke ganz fest die Daumen für die zweite Halbzeit der Wave Trophy 2015.“

Donnerstag, 18. Juni 2015

Tag 5

Der Mittwoch hat uns richtig Rallye-Feeling geboten. Nicht einfach Kilometer abreißen, sondern unterwegs Aufgaben erfüllen – und immer pünktlich am Ort der Prüfung sein. Wir mussten uns richtig sputen. Da heißt es bei einem Elektro-Fahrzeug nicht “gib Gas”, sondern “gib Ampere”.
Die Aufgaben: An drei Stationen mussten wir unser Auto und das Projekt dahinter in Schulen vorstellen. Um 9.35 Uhr an der ersten. Zwei Minuten hatten wir, um von der nahen Aufstellfläche auf den Schulhof zu fahren (durch eine Gasse von jubelnden und klatschenden Kindern und Jugendlichen), um unser Fahrzeug, das Projekt dahinter und die Dorstener Arbeit vorzustellen und schließlich zum Startpunkt zurück zu fahren.
Zwei Minuten für so viel To Do sind richtig knapp. KAB-Präses Michael Prinz und ich hatten darum vorher genau abgesprochen, wer was sagt und wer welchen Teil übernimmt. Und ich glaube, wir sind an allen drei Schulen auf unserem Weg richtig gut angekommen. Und das im doppelten Sinne: Wir waren überall pünktlich und wir haben viel Beifall bekommen. Vor allem dafür, dass unser Fahrzeug von Jugendlichen und jungen Erwachsenen ohne Job restauriert und technisch aufgerüstet wurde. Wie viele Punkte uns die Kinder und Jugendlichen für die Tourwertung gegeben haben, erfahren wir aber erst am Ende der Wave Trophy 2015.
Auch technisch macht uns der eT2 von Tag zu Tag mehr Freude. Die Alpensteigungen kraxelt er hoch wie eine Bergziege. Tagsüber mussten wir nicht – wie die meisten anderen Wave-Fahrer – neuen Strom ziehen. Erst auf der letzten Station vor unserem Tagesziel Bühlach haben wir den Bulli an die Steckdose geklemmt: Laden in Baden.
Unterwegs haben wir heute zum ersten Mal den Laptop an die Steuerung geklemmt und konnten mit einer neuen Einstellung den Verbrauch optimieren.

Der eT2 fährt jetzt noch etwas spritziger.


Der Tag endet mal wieder spät, Kabel einrollen und ab auf die letzten 23km nach Bülach.


















Mittwoch, 17. Juni 2015

Tag 4

Dienstagmorgen um 6 Uhr in der Hotellobby. Wieder Ladeprobleme: Es gibt zwar Kaffee (Hallooooo, wach werden!), aber das Frühstück ist noch nicht fertig. Wenigstens die Akkus unseres eT2 sind randvoll. Als wir ihn von der Steckdose nehmen, hat er einmal ganz satt und zufrieden gerülpst. Auf dem Weg nach Darmstadt (130 Kilometer) machen wir das Fenster auf, damit der Fahrtwind unsere knurrenden Mägen übertönt. Motorgeräusche haben wir dafür ja nicht. Wieder sind ein paar Fahrgäste aus dem Supportteam mit an Bord. Darum sagt man auch Kleinbus zum Bulli. Vielleicht sollten wir Fahrkarten verkaufen.
Bei der ersten Ladepause in Darmstadt gibt’s endlich leckere Brötchen und eine sehr nette Begegnung: Beim Empfang auf dem Carolinenplatz kommt plötzlich der Fahrer eines Wohnmobils auf uns zu, stellt sich vor als Dorstener. Ein pensionierter Lehrer der Gesamtschule Wulfen. Er hätte in der Dorstener Zeitung von unserem Bulli-Projekt mit arbeitslosen Jugendlichen und von der Teilnahme an der Wave Trophy 2015 gelesen und hätte jetzt darauf geachtet, ob er uns auf der Strecke irgendwo treffen kann. Denn einige seiner früheren Schüler hätten bei uns eine Qualifizierung gemacht und danach oft Lehrstelle oder Job gefunden. “Wie gut, dass es die Dorstener Arbeit gibt”, sagt er.

Und: In Darmstadt konnten wir unsere Batterien endlich mal mit 32 Ampere laden. Das geht schneller und war für uns die erste Möglichkeit, einen selbst gebauten Adapter zu testen. Wie unser Bulli: Er funktioniert. Am Mittag geht’s weiter nach Karlsruhe, Empfang an der Uni am Karlsruher Institut für Technologie, kurz KIT (witzig: Wer sich an die kultige Fernsehserie Knight Rider erinnert, der erinnert sich auch an das Auto KITT). Auch hier laden wir nochmal kurz auf. Obwohl uns die Reichweite des eT2 selbst überrascht: Wir nehmen jedes Ampere mit, das wir kriegen können.
Zwei Tests haben wir heute absolviert. Beim Technischen Komfort gab’s leider nur wenige Punkte: Kein Schiebedach, keine Klimaanlage, keine Sitzheizung, kein Rückfahrwarner. Es tat dem Prüfer sichtbar leid, dass er uns wenige Punkte geben konnte. Ist aber nicht schlimm. Dafür haben wir ein Auto mit Flair. Für unsere Gimmicks gab’s dafür Bestnoten: Die bequemen Sitze, die Tischchen hinten im Bus. Darum fahren alle so gerne mit uns . . .
Nach kurzem Stau erreichen wir gegen 17 Uhr Freiburg. Und haben damit die Königsetappe von Berlin bis ins Dorf Anwil jenseits der Schweizer Grenze (1000 Kilometer in 40 Stunden) fast geschafft. Die Berge sind schon zu sehen. Von Anwil fahren wir am Abend aber ein kurzes Stück zurück auf die deutsche Seite. Auf einem Schloss werden wir heute übernachten. Auf einem Schloss! Eine königliche Schlummerpause auf der Königsetappe. Das ist doch mal verdient.
Auf die nächsten beiden Tage freuen wir uns besonders. Morgen und übermorgen besuchen wir bei den Ladepausen Schulen und sollen den Kindern und Jugendlichen dort unseren Bulli und das Projekt dahinter vorstellen. Die Punkte dafür gibt’s nicht von den Organisatoren, sondern von den Schülern. Wir können ganz sicher eine gute Geschichte erzählen . . .



Dienstag, 16. Juni 2015

Tag 3

Heute starteten wir auf die „Königsetappe“, die eigentliche Herausforderung für Elektro-Mobile. Wir fahren in der „langsamen“ Gruppe und haben knapp 40 Stunden Zeit für tausend Kilometer entlang der deutschen Westgrenze bis in die Schweiz. Diese Etappe verzeiht keine Pannen. Darum: Wer grad die Hände frei hat, darf uns gerne die Daumen drücken auf dem Weg und für dieses Stück der Wave Trophy 2015.
„Kreuzberger Nächte sind lang“ – das war ein Klamauk-Gassenhauer in den 1980ern, als unser eT2 (Baujahr 1979) noch ganz jung war. Magdeburger Nächte sind kurz und wir fühlen uns darum heute nicht so ganz jung. Nach den Lademalessen und dem verstopften Berlin waren wir am Sonntag erst nachts um elf am Ziel. Haben in einer Jugendherberge übernachtet mit Nachbarn, die nachts um halb drei duschen. Und heute morgen durften wir schon um 5.56 Uhr mit der Tram (Oberleitung! Auch mit Strom!) von unserem Quartier zur Otto-von-Guericke-Uni Magdeburg tuckern. Dort hat sich unser Bulli über Nacht die Akkus, naja, nicht ganz vollgesogen. Aber es reicht.
Morgens um sieben ist die Welt angeblich noch in Ordnung (sagt ein bekannter Romantitel). Und darum sind wir um sieben losgefahren. Wernigerode war das erste Ziel und die erste Ladestation auf unserer Strecke. Drei Stunden Zeit, die Stadt anzuschauen. Und hier blieb auch wieder Zeit, die Teams vorzustellen.
Weiter ging’s nach Eschwege über den Harz. Schöne Straßen unterwegs mit „leichten“ Steigungen (bis zehn Prozent!). Mit Tempo 50 bis 60 sind wir ganz entspannt auf die Kuppen gekraxelt. Unser Bulli hätte auch etwas flotter gekonnt – aber das wäre auf Kosten der Reichweite gegangen. Und da sind wir ja inzwischen verwöhnt, nachdem wir gestern mit nur einer Stromfüllung 340 Kilometer geschafft haben. Außerdem: Was wir bergauf mehr verbrauchen, haben wir bergab locker wieder eingespart. Zum Glück mussten wir nicht über den Brocken (1141,2 Meter hoch). Am Ziel gab’s köstliche Schmandteilchen mit Zimt und Rosinen.
Eine Eschweger Spezialität, versichert der Bäcker.
Lecker. Allein dafür hat sich der Stopp gelohnt.
Am Nachmittag nehmen wir die letzten hundert Kilometer nach Bad Salzschlirf in Angriff. Wir liegen gut in der Zeit. Wir hören schon auf dem Weg die warmen Betten rufen, die heute in einem Hotel stehen. Ohne laut wasserrauschenlassende Mitbewohner. Endlich mal ausspannen. Denn das können wir nach drei Tagen schon sagen: So eine Rallye ist ultrastressig. Ein Abenteuer eben. Weil wir – jetzt wieder – gut in der Zeit liegen und weil unser eT2 einen tollen Job macht. Ein paar Ausfälle gab’s schon. Bei uns war bis jetzt nicht ein Schräubchen kaputt. Toi toi toi! Und bitte dreimal auf Blech klopfen, dass es so bleibt.
Der Ladepunkt in Bad Salzschlirf mitten im Kurpark
Schlafmangel plagt übrigens nicht nur uns, sondern viele im Teilnehmerfeld und bei den Organisatoren. Und da entwickelt unser Bulli ganz neue Qualitäten: Der bequeme Laderaum hat Fahrgästen vom Orga-Team schon als mobiles Büro gedient und entwickelt sich gerade auch zum beliebten Schlafwagen. Heute haben wir einen Tourhelfer chauffiert, der die letzte Nacht komplett durchgemacht und sich nun bei uns im Heck ein Schlummerstündchen genehmigt. Es sei ihm von Herzen gegönnt. Denn die Wave Trophy 2015 ist super organisiert. Liebe Helfer, Ihr macht das großartig.


Aufmunterungen bitte per Kommentar in diesem Blog. Wir freuen uns über Zuspruch!

Montag, 15. Juni 2015

Tag 2

Es ist Sonntag, 19.45 Uhrund wir sind noch nicht am Ziel, das heute Magdeburg heißt. Knapp 150 Kilometer liegen noch vor uns mit kaum noch Strom im Tank. Und um 22 Uhr macht angeblich das Hotel zu. So wird die Wave zum Abenteuer. Hoffentlich liegt keine Nacht im Bulli vor uns . . .
Angefangen hat der Tag prima. Start in Bitterfeld, mit vollem Akku ging es in die alte Lutherstadt Wittenberg. Mit drei anderen Fahrzeugen aus dem Teilnehmerfeld wurde unser eT2 ausgewählt, an “Luthers Hochzeit” teilzunehmen.
Das ist ein Riesenspektakel in Wittenberg, mit Mittelaltermarkt, Schauspiel und Musik. Vier Stunden haben wir hier verbracht und viele gute Gespräche geführt. Wenn wir den Leuten erzählen, dass Jugendliche unser Fahrzeug restauriert haben, dann waren die Zuhörer alle hin und weg. Es ist toll zu sehen, wie das Ergebnis dieser großartigen Arbeit den Menschen Freude macht.
Michael Prinz, im Hauptberuf katholischer Pfarrer und Präses der Katholischen Arbeitnehmerbewegung KAB im Bistum Münster, macht am Rande noch einen Gag zur Lutherstadt: “So wie Luther versucht hat, die Kirche zu reformieren – so versuchen wir, den Straßenverkehr zu reformieren”, scherzt er. Da ist was dran. In einer immer noch von Benzin geprägten Autowelt sind die 90 Teilnehmer der Wave Pioniere. Und wir sind stolz, dass wir dabei sein dürfen.
Weil wir mit unserem Equipment einem Tesla geholfen haben, konnten wir selber leider nicht laden – und haben uns auf den Weg nach Berlin gemacht, in der Hoffnung dort laden zu können. Und dort – war Chaos. In der Bundeshauptstadt gab’s heute eine Sternfahrt des Fahrradclubs ADFC und irgendeine Demo, gesperrte Autobahnen und jede Menge Staus. 
Keine guten Bedingungen für ein Elektroauto mit wenig Saft im Akku.

In Berlin ging es zu Tesla, dort gab es ein BBQ und Strom. Aber nach zehn Minuten fiel dort der Strom für die langsam ladenden Fahrzeuge aus und das BBQ verspätete sich.
In dem Zustand – also reichlich ungeladen und hungrig, sind wir jetzt auf dem Weg nach Magdeburg.Michael Prinz sitzt am Steuer und fährt sehr, sehr sparsam. Tempo 70, immer die Restenergieanzeige im Blick, möglichst im Windschatten eines Lasters. Zum Glück ist der Landstrich ziemlich flach. Wenn wir nicht so viele energiefressende Steigungen bewältigen müssen, sollte es rechnerisch klappen.
Um kurz nach 23 Uhr ist Tag zwei der Wave-Trophy dann endlich auch für uns geschafft. Wir sind in Magdeburg angekommen. Und sind stolz auf die Reserven, die unser eT2 auf den knapp 340 Kilometern Tagesstrecke aus sich heraus geholt hat.

Er ist halt wie sein kleiner Bruder, der Käfer (nur sehr viel moderner): Er läuft und läuft und läuft . . .

Sonntag, 14. Juni 2015

Tag 1

Plauen wird auch die “Stadt der Spitze” genannt. Nein, keins der 90 Elektrofahrzeuge ist mit Häkelgirlande gestartet. Aber Spitze war der Start der Wave Trophy 2015 am Samstagmorgen dennoch. Es gab Musik, viele hundert Schaulustige begutachteten die 90 Teams in der wunderschönen historischen Altstadt. Am Start wurde jedes der Autos kurz angehalten und vorgestellt.
Die erste Strecke führte uns über die 66 Kilometer lange “Brückentour” (mit vielen teils historischen Brücken) nach Zwickau. Die alte Autostadt war ein toller Zwischenstopp. Wir waren zu Gast bei einem großen Trabi-Treffen. Katzenleiser Elektro-Antrieb trifft knatternde Zweitakter mit Stinkwolke hinterm Auspuff. Dass der Trabi längst auch ein Oldtimer ist, wird einem erst bewusst, wenn man so viele auf einem Haufen sieht.
Radio Zwickau hat bei diesem Zwischenstopp alle Wave-Teilnehmer in kurzen Interviews vorgestellt. Wir hatten eine Minute, um etwas über unser Auto zu erzählen und über das Projekt, das dahinter steht. Dass nämlich junge Leute ohne Job daran mitgearbeitet haben, unseren eT2 straßen- und rallyetauglich aufzumöbeln.
Nach einer Ladepause ging’s weiter zum Sachsenring. Auf dieser traditionsreichen Rennstrecke mussten alle e-Fahrzeuge auf Tempo fahren. Geschwindigkeit: Darum geht’s bei der Wave ja sonst nicht. Tempo 130, die amtliche Höchstgeschwindigkeit, hat unser treuer Bulli hier aber locker ausgereizt.
Der Tempo-Test ist nur eine von vielen Übungen und eins von vielen Kriterien, die am Ende in die Bewertung einfließen. Bedruckung oder Größe des Kofferraums sind andere Maßstäbe, für die es Punkte gibt. Am Ende des ersten Tages wissen wir aber noch nicht, wie wir im Ranking stehen.
Von Zwickau ging es weiter über Chemnitz nach Leipzig, unserer ersten Abendstation auf der Tour. Der eT2 kommt ans Ladekabel und wir fallen nach dem Abendessen todmüde ins Bett (das ist für uns auch so eine Art Ladestation).

Wir müssen auch noch vom Wetter erzählen. Tagsüber hatten wir etwas Regen und ein paar kräftige Böen. Das war alles noch OK. Unser Bulli ist ja wetterfest.
Aber in Leipzig brach ein Inferno über uns los. Ein Wolkenbruch mit Sturm tobte über der Stadt. Schade, dass man die Blitze nicht nutzen kann, die Akkus aufzuladen. Ich darf gar nicht darüber nachdenken, wie viel Energie da aus den Wolken kracht und verpufft.
Übrigens: Wir wollen nicht angeben. Aber unser eT2 genießt unter den vielen Serienfahrzeugen schon sehr viel Aufmerksamkeit. Der Bulli kommt überall gut an. Dass er 1979 schon ein Elektro-Auto war, können viele gar nicht glauben. Und schon gar nicht, dass er heute als modernes E-Fahrzeug unterwegs ist.
Und auch wenn die Rallye ein Wettbewert ist: Die Wave-Piloten sind super. Wir haben schon viele lange Gespräche geführt.Tag eins der Wave Trophy 2015 fühlt sich gut an. 

Wir freuen uns auf die nächste Etappe.


Samstag, 13. Juni 2015

Start!

Es kann losgehen und es geht los. Mit der Startnummer “5” sind wir heute auf die erste Etappe gestartet. Wir haben schon gewitzelt: Nummer fünf lebt.
Die Anreise haben wir am Freitag gut gemeistert. Wir sind gestartet mit vielen guten Wünschen unserer Fans: Tourpate Olaf Thon, Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff, alle Mitarbeiter der Dorstener Arbeit und vor allem die Jungs und Mädels aus unserem Projekt-Team drücken die Daumen. Unser eT2 hat die ersten 500 Kilometer von Dorsten bis zum Startort Plauen brav und lautlos heruntergeschnurt. Vor dem Start der Rallye haben wir am Nachmittag die technische Inspektion ohne Beanstandung überstanden: Von Verbandskasten bis Versicherung ist alles an Bord, was wir brauchen, ergab die Überprüfung. Als Belohnung gab’s die offizielle Startnummer.
Am Ladepunkt – einer Tiefgarage der örtlichen Sparkasse – tanken 90 Elektro-Fahrzeuge den Strom für die erste Strecke. Am Abend wurden alle Teams vorgestellt und bekamen die nötigen Infos für die nächsten Tage. Danach ging’s – hundemüde – ins Hotel. Nach einer Tiefschlafnacht sind wir nun unterwegs. Tag eins der Wave Trophy 2015. 

Berlin wir kommen.

Donnerstag, 11. Juni 2015

Morgen geht es los.

Morgen also geht’s los. Wir nehmen die WAVE Trophy 2015 in Angriff. Von Plauen geht’s über Berlin, quer durch Niedersachsen und entlang der deutschen Westgrenze in die Schweiz. 2500 Kilometer unter Strom mit unserem eT2-VW-Bulli. 1576 Testkilometer haben wir bereits absolviert, die Stullen für unterwegs sind geschmiert und wir freuen uns auf das Abenteuer.

Obwohl der Wettbewerb erst morgen anfängt, sind wir jetzt schon stolz auf das Erreichte. Mit jungen Leuten haben wir diesen Elektro-Oldie aufgemöbelt. Junge Leute, die angeblich ohne Job-Perspektive waren und die Unfassbares geleistet haben, um diesen Elektro-Bulli, einen Prototyp von 1979, in die Moderne zu hieven.

Wir haben viel Zuspruch und Aufmerksamkeit bekommen für dieses Projekt. Neben allen Mitarbeitern der Dorstener Arbeit drücken uns auch Dorstens Bürgermeister Tobias Stockhoff sowie unser Tour-Pate und Schalke-Legende Olaf Thon ganz fest die Daumen, dass wir gut und möglichst weit vorne ins Ziel kommen. Wir freuen uns auf das Abenteuer und viele interessante Gespräche mit anderen E.Mobilen und Besuchern der WAVE . Plauen, wir kommen. Und wir kommen, um unser Projekt möglichst vielen Menschen zu präsentieren

Ab Freitag berichten wir live und täglich von der Tour. Bitte bleibt am Blog-Ball und verfolgt unser Abenteuer. Daumendrücken bitte per Kommentar. Danke dafür.

Eure Wave-Piloten Stephan Thiemann (Werkstattmeister der Dorstener Arbeit) und Michael Prinz (Präses der KAB im Bistum Münster).

Weitere Informationen:

Donnerstag, 4. Juni 2015

Sergej stellt sich vor


Heute möchten wir Euch Sergej vorstellen. Sergej ist ein junger Mann, der mit unserem eT2 ein Stück Lebensweg zurücklegt. Der mit der Arbeit an diesem wunderbaren Fahrzeug seine Akkus so auflädt, dass er fit wird für eine gute Ausbildung, für Arbeit. Sergej gehört zu den jungen Leuten, für die der eT2 eine Chance fürs Leben ist.
Sergej wurde 1994 in Russland geboren. Seine Familie zog nach Deutschland, als er sechs Jahre alt war. Er besuchte die Hauptschule und nach dem Abschluss ein Berufsgrundschuljahr Holztechnik. Aber ein „Holzwurm“ zu werden, war nicht sein Traum. In der Berufsvorbereitung bei der Dorstener Arbeit wählte er darum eine Qualifizierung im Metallfach. Und lernte so den eT2 kennen.
Der Elektro-Bulli, Baujahr 1979, war damals noch eine ziemliche Baustelle, zu der Sergej viel Arbeit beitragen konnte: Er hat die Sitze gereinigt, Scheiben ein- und ausgebaut, stundenlang und mit Geduld alte Bleche blank geschmirgelt, damit sie neu lackiert werden können. Und seine Erfahrung mit Holz war für ihn auch in diesem Projekt sehr wertvoll: Er konnte helfen, die Innenverkleidung aus edlem Kirschholz anzufertigen. Dass der eT2 heute mit Straßenzulassung vom TÜV rallyereif parat steht, um am kommenden Freitag (12. Juni) an der WAVE Trophy 2015 teilzunehmen, ist auch der Verdienst von Sergej.
Der junge Mann bleibt beruflich sozusagen auf der Autobahn: Seit vier Wochen macht er ein Praktikum als Kfz-Mechatroniker in einer Firma, die Lastwagen baut und repariert. Hier kann Sergej zeigen, was er an unserem Elektro-Bulli gelernt hat. Sein Ziel: Er möchte aus dem Praktikum in eine Ausbildung übernommen werden. Ein Einstiegsqualifizierungsjahr hat er schon angeboten bekommen. Wir drücken ihm ganz fest die Daumen!
P.S.: Oldtimer findet Sergej zwar prima. Aber sein persönlicher Traum von einem Auto ist ein moderner Klassiker: Der aktuelle Chevrolet Camaro SS. Ein Wagen, gebaut für die Überholspur . . .